Mein Weg im Leben

1970 wurde ich in Ilanz geboren, als erste von vier Töchtern eines Forstingenieurs und einer Hausfrau und späteren Lokalpolitikerin. Meine Eltern sprechen untereinander Pusc’ciavin, den Puschlaver Dialekt, und mit uns Kindern Italienisch. Deshalb soll ich, so erzählten sie mir, anfangs nicht verstanden haben, was die Kinder im Garten unseres Wohnblocks sagten. Daran kann ich mich nicht erinnern, aber offenbar habe ich das Schweizerdeutsch, noch bevor ich den Kindergarten besuchte, spielend gelernt. Als Kind las ich wahnsinnig gern, am liebsten Indianerbücher. Die Schulbibliothek war mein Lieblingsort, Harka Tokei-ihto mein Blutsbruder. Immer, wenn ich mit meinem grünen Dreigangvelo lospedalte, fühlte ich mich, als würde ich auf dem Rücken eines Pferdes über die Prärie jagen. Als ich in die Klosterschule in Disentis eintrat, dachte ich, die nächsten sieben Jahre würden nie vergehen. Sie taten es, während ich Lateinwörter büffelte, mit dem Geschichtslehrer haderte und im Schülerchor mitsang. An der Uni in Fribourg schrieb ich mich für Jus ein, weil ich als Heranwachsende die Geschichte eines Jugendrichters gelesen, und diese mich tief beeindruckt hatte.

1994 kam ich nach Chur, wo ich, mit meinem heutigen Partner, noch immer wohne.

Mein Weg zur Anwältin war schwierig. Erst als ich mich mit lösungsorientierter Gesprächsführung und dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation beschäftigte und als Mediatorin zu arbeiten begann, fand ich mich in der Berufswelt besser zurecht. Während einer gesundheitlich herausfordernden Zeit besann ich mich auf das Schreiben und merkte, wie glücklich ich dabei war. Ich arbeitete mehrere Jahre an meinem ersten Buch, gab mein eigenes Büro auf und nahm eine Teilzeit-Stelle als Gerichtsschreiberin an. Seither mache ich jeden Tag, was ich am liebsten tue: schreiben! Am Gericht sind es Urteile, zu Hause Geschichten. Ich fahre immer noch gern Velo, mache Langlauf und Yoga, ich liebe Bücher und Sprachen und mag Filme über fremde Kulturen.

Mein Weg im Schreiben

Mein Weg zum Schreiben lässt sich mit einem Fluss vergleichen. Seine Quelle findet sich bei meiner Grossmutter, die lange Briefe schrieb, und zweien ihrer Brüder, die sich als Lyriker betätigten. Aus der Quelle sickerten im Primarschulalter einige Wassertropfen, sammelten sich still in kleinen Mulden und leuchteten hin und wieder auf, zum Beispiel beim Schreiben von Aufsätzen. Als ich 2008 die ersten Texte über das Leben meiner Grossmutter entwarf und 2011 zum ersten Mal an einer kreativen Schreibwerkstatt bei Angelika Overath und Manfred Koch teilnahm, kam Bewegung ins Wasser. Mit der Arbeit an meinem Buch wuchs das Wasser zum sprudelnden Bach; in weiteren Schreibkursen bei Angelika und Manfred im Oberengadin schwoll dieser zum rauschenden Fluss. Indem ich Seminare zum literarischen und therapeutischen Schreiben besuchte, mäandert nun der zum Strom gewordene Fluss vergnügt und sich weiter verzweigend dem Meer zu. Dort wird ein Teil des Wassers verdunsten, irgendwann als Tautropfen zurückkehren und Dir eines Tages vielleicht, wer weiss, auf einem Stein sitzend begegnen.

a drop of dew
sits on a rock
like a diamond

Kawabata Bōsha

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